Vorgehen bei Verdacht von Übergriffen

Intervention und institutionelle Aufarbeitung

Dr. Barbara Pühl am Portal des Landeskirchenamts

Übergriffe sexualisierter Gewalt sollen sich nicht mehr wiederholen. Deshalb will die ELKB Verantwortung übernehmen und sich dem, was passiert ist, stellen.

Bild: ELKB/unit4

Die ELKB und die Diakonie Bayern sehen sich besonders in der Verantwortung, sichere Räume für Menschen zu schaffen. Doch im Lebensvollzug zeigt sich, dass dies nicht immer gelingt.

Auch in unseren Reihen kommt sexualisierte Gewalt vor. Wann immer solche Geschehnisse öffentlich werden, machen sich Entsetzen, Ohnmacht und Wut breit, vielfach auch verbunden mit einer Tendenz zu übersteigertem Aktionismus. „Da muss doch sofort ‚was gemacht werden!“ meldet sich eine innere Stimme.

Intervention greift diese Stimme auf, sorgt jedoch für ein überlegtes und planvolles Vorgehen. Dies ist wichtig, um den betroffenen wie den beschuldigten Menschen gerecht zu werden. Wo ein Verdacht auf sexualisierte Gewalt besteht oder ein Fall offenkundig ist, muss systematisch aufgeklärt und entsprechend gehandelt werden. Dabei sind Betroffene zu schützen und Täter und Täterinnen zur Verantwortung zu ziehen. Zur Intervention gehört neben der Klärung von Verdachtsfällten aber auch die Rehabilitierung bei einem nicht bestätigten Verdacht.

Intervention als Bestandteil des Schutzkonzeptes

Schutzkonzepte beinhalten neben der Prävention auch immer Aspekte der Intervention. Der Interventionsleitfaden bietet Schutz durch strukturiertes Vorgehen. Für einen professionellen Umgang mit Vorfällen sexualisierter Gewalt in der Praxis bieten wir auf Anfrage Schulungen sowie unterstützende Arbeitsmaterialien an.

Mehr zum Thema

Meldestelle

Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Landeskirche und der Diakonie Bayern sind verpflichtet, ihnen bekannt gewordene Verdachtsmomente ernst zu nehmen und zu handeln. Die Meldestelle bietet Beratung und Unterstützung bei der Klärung und Einschätzung von Verdachtsmomenten und hilft bei notwendigen Maßnahmen. Haben sich Verdachtsmomente erhärtet, haben Mitarbeitende der Landeskirche und der Diakonie Bayern die Pflicht, dies den Meldestellen der ELKB und der Diakonie Bayern mitzuteilen.

Kontakt

Meldestelle ELKB
Eva-Maria Mensching
089 – 55 95 342 oder 089 – 55 95 676
meldestellesg@elkb.de

Institutionelle Aufarbeitung – Verantwortung übernehmen und lernen aus der Vergangenheit, um das Heute und die Zukunft anders zu gestalten

Übergriffe sexualisierter Gewalt sollen sich nicht mehr wiederholen. Deshalb ist es wichtig, Verantwortung zu übernehmen und sich dem, was passiert ist, zu stellen. Institutionelle Aufarbeitung heißt, das Geschehene systematisch zu untersuchen und zu verstehen, um daraus Handlungsoptionen für die Zukunft zu gewinnen. Untersuchungsgegenstand sind Strategien der Täter und Täterinnen genauso wie strukturelle Gegebenheiten. Darüber hinaus sind die Sichtweisen Betroffener für uns unabdingbar. Die Erkenntnisse fließen in alle Arbeitsbereiche der Landeskirche ein. Sie betreffen gesetzliche Regelungen ebenso wie die konkrete Gemeindearbeit und dienen der regelmäßigen Überprüfung. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) ist gerade dabei, eine unabhängige, wissenschaftliche Studie zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt im evangelischen Kontext in Auftrag zu geben. Daran beteiligt sich auch die bayerische Landeskirche.

Arbeitsmaterialien zum Download

Das Risiko kennen – Vertrauen sichern

EKD-Handreichung 'Das Risiko kennen',© EKD

Bild: EKD

Kinder und Jugendliche vor sexualisierter Gewalt schützen. Risikoanalysen in der Arbeit von Kirchengemeinden. Die Handreichung als PDF herunterladen

Unsagbares sagbar machen

EKD-Handreichung 'Unsagbares sagbar machen',© EKD

Bild: EKD

Die Broschüre gibt Anregungen zur Bewältigung von Missbrauchserfahrungen in Kirchengemeinden. Die Handreichung als PDF.


10.06.2020 / ELKB