Orange The World

NEIN zu Gewalt gegen Frauen in der Kirche

Frauen steht auf, ihr seid nicht allein.

"Frauen steht auf, ihr seid nicht allein."

Bild: ELKB

Die Stabstelle für Chancengerechtigkeit der evangelischen Kirche in Bayern stellt sich an die Seite Betroffener und setzt zum 25. November ein Zeichen gegen Gewalt.

Am  Donnerstag, 25. November, ist der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen. Isa A. und Christiane L. sind zwei von vielen Betroffenen sexualisierter Gewalt. Die Stabstelle für Chancengerechtigkeit der evangelischen Kirche in Bayern stellt sich an ihre Seite und setzt zum 25. November ein Zeichen gegen Gewalt. Mit ihren Statements machen beide Frauen aufmerksam auf Gewalt gegen Frauen in der evangelischen Kirche und ermutigen, das Schweigen zu beenden. Hier finden Sie die aktuellen Statements von Christiane L. und Isa A.

In diesem Jahr verbindet die Stabstelle für Chancengerechtigkeit der evangelischen Kirche in Bayern diese Aktion mit der von der UN im Jahre 1991 ins Leben gerufenen Kampagne „Orange the World“. Weltweit werden hierzu sichtbare Zeichen gesetzt und Gebäude bzw. Wahrzeichen orangefarben beleuchtet. In München wird die Lukaskirche angestrahlt. Die Farbe orange weist hin auf die Forderung einer Zukunft frei von Gewalt. Auch in der evangelischen Kirche in Bayern

 

Statement von Christiane L.

Gewalt gegen Frauen? Sie denken an Schläge, körperliche Gewalt, Vergewaltigung, rohe Gewalt, Erniedrigung, sexuelle Nötigung...?

Ja, diese grausamen Gewaltformen gibt es, schaffen unendliches körperliches und seelisches Leid. Und es gibt noch eine andere, sehr subtile Gewalt: die Ausnutzung seelischer Schwächen, das Vorgaukeln von Fürsorge, um eigene Täter-Bedürfnisse zu stillen, das perfide Manipulieren durch Lob und Anerkennung, um letztlich nach außen hin einvernehmlichen Sex einzuleiten. Scham und Schuld über diese Form von Gewalt wirken tief, hinterlassen grausame Selbstzweifel und führen selten dazu, dass Opfer sich an geeignete Hilfestellen oder gar die Justiz wenden. Und so bleibt oft ein Leben lang das Gefühl von eigener Schuld und Selbstbestrafung, beschmutzt sein, begleitet von einem Widerwillen gegen das eigene Frausein.

Frauen steht auf, ihr seid nicht allein. Lasst euch das nicht mehr gefallen, sagt, was euch da passiert, sprecht aus, was euch bedrängt, damit jede Art von Gewalt aufhört.

 

Mehr zum Thema

Statement von Isa A.: To whom it may concern

Kürzlich nannte mich wieder jemand Jeanne d' Arc. Nein, ich fühle mich ganz und gar nicht als Heldin. Wie auch. Egal was ich tue. Egal was ich sage. Es wird gegen mich ausgelegt.

Mein Schmerzarzt meinte, ich solle nicht zur weiblichen Don Quichotte werden: für alles muss ich kämpfen. Nein, ich will keine traurige Gestalt sein.

Ich will so geliebt werden wie ich bin - trotz allem was mir angetan wurde und immer noch wird. Ich will mich nicht mehr verstecken müssen. Ich würde gern aus tiefstem Herzen Lachen und es spüren, das Leben, mit all seinen Reichtümern - nicht nur die Schattenseiten.

Es wäre schlauer, Schweigen zu können - das Schweigen aushalten zu können. Ich kann das Schweigen aber nicht mehr aushalten. Mein Körper schreit kontinuierlich vor Schmerz, dazu die Alpträume: das zwingt mich wieder und wieder den Mund aufzumachen - wenn ich schon auf Erden bleiben muss, weil ich überlebt habe - doch das will keiner hören.

Wenn ich doch nur glauben könnte. Mich irgendwo festhalten. Innere Ruhe finden. Menschen kann ich nicht trauen. Und Gott – wo warst du?

Das ewige vertröstet, weitergeschoben Werden und das beweisen Müssen - immer wieder neu. Nicht nur das System Kirche schreit nach einer verbindlichen, klaren Haltung: Nein zu sexualisierter Gewalt und: Nein zum Schweigen!

Schuldig scheint das Opfer, denn das Opfer muss seine Unschuld beweisen. Auch wenn man sagt, man glaube dem Opfer, hat das keine Rechtsgültigkeit.

Was Betroffene von Missbrauch und sexualisierter Gewalt brauchen, sind eine traumaspezifisch angepasste Unterstützung, Rechtsgrundlagen und fachliche Beratung, die ineinandergreifen.

Die Glaubwürdigkeit ist der zentrale Punkt, was Aufarbeitung und Anerkennung von Leid anbelangt. Solange Betroffene weiter in Frage gestellt werden und es keine einheitlich gültige Anerkennung gibt, solange viel zu wenig traumaspezifisch geschulte Fachleute ausgebildet sind und miteinbezogen werden, besteht keine Chance auf Heilung und inneren Frieden. Was nur selbst Betroffene aus eigener Erfahrung wissen: Wir haben lebenslänglich!

Ein Schritt auf dem Heilungsweg könnte der spirituelle sein, der innere Heilräume eröffnen kann. Durch ehrlichen Austausch und Begegnung. In Resonanz. So erlebe ich das im Trotz-Allem-Projekt: ein vorsichtiges, millimeterweises sich Annähern. Freiwillig. Respektvoll. Ein Hoffnungsschimmer. Das kann Würde zurückgeben.

Ich wünsche mir, dass Kirche ihren Auftrag erfüllt: offener Raum zu sein, der durch Menschen Hoffnung, Nähe und Heilung ermöglicht und von Einsamkeit, Verzweiflung und Stigmatisierung frei macht.


24.11.2021 / ELKB